14.04.2020 – Schüler, 8. Klasse: Die Streuselschnecke (Kurzgeschichte)

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Die Streuselschnecke (2020)

Ich hatte gerade den Videoanruf mit meiner Großmutter beendet. Wir hatten darüber gesprochen, wie sehr wir uns vermissten und wie gern wir uns wiedersehen wollten – auch um ihre leckeren Streuselschnecken zu essen.

Und wie ich noch so träumte, bekam ich plötzlich große Lust auf ihr selbstgebackenes Gebäck. Immer wenn ich ihre Schnecken esse, muss ich an sie denken, fühle mich geborgen und in Sicherheit.

Ich ging also los, um mir eine Streuselschnecke zu kaufen. Zuerst zu dem Bäcker, bei dem die Schnecken fast genauso wie die meiner Großmutter schmecken. Aufgrund der verschärften Corona-Regeln musste ich draußen in der Schlange warten. Als ich dann endlich im Laden war, musste ich feststellen, dass alle Schnecken bereits ausverkauft waren. „Üblich in dieser Zeit“, dachte ich und schüttelte den Kopf. „Wenn der Bäcker die leckeren Streuselschnecken nicht mehr hat, kann ich mir die Schnecken ja auch selber backen“, sagte ich zu mir selbst und ging zum Supermarkt, um die Zutaten zu kaufen.

Auch hier musste ich in einer Schlange warten, bis ich einkaufen durfte. Zum Glück war die Schlange nicht sehr lang. Mein Besuch im Supermarkt leider auch nicht: Ein Hamster-Käufer hatte vor meiner Nase die letzte Packung Mehl in seinen bereits mit Mehlpackungen überladenen Einkaufswagen gepackt. Ich war den Tränen nah und wütend zugleich.

Verzweifelt ging ich zu einem Bäcker, der etwas weiter weg war. Mit der Hoffnung, dort noch eine Streuselschnecke zu bekommen. Als ich ankam, spähte ich durch die Scheibe und entdecke noch zwei Streuselschnecken! Beglückt stellte ich mich in die Warteschlange, in der vor mir nur zwei Personen standen. Mit leuchtenden Augen beobachtete ich dann, wie die Erste ein Brot kaufte. Meine Hoffnung stieg. Jetzt war nur noch ein Kunde vor mir. Und dieser kaufte ausgerechnet beide Streuselschnecken!

Als der Mann wieder aus dem Laden kam, stand ich immer noch mit enttäuschtem Gesicht vor der Eingangstür. Er sah mich und fragte, was los sei. Ich erzählte ihm, dass ich eigentlich auch eine Streuselschnecke hätte kaufen wollen. Da sagte er mit weicher Stimme: ,,Hier! Du kannst eine Schnecke von mir haben. Ich brauche nicht unbedingt zwei.“ Verblüfft nahm ich die Schnecke entgegen und bedankte mich. Glücklich ging ich nach Hause. Dort aß ich meine Streuselschnecke, dachte an meine Großmutter und spürte die Sicherheit und Geborgenheit, die ich in Zeiten des Corona-Virus gut gebrauchen konnte.

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