Ein Ort, der keinen loslässt – Kursfahrt nach Oswiecim (10.02. bis 15.02.26)
Bereits zum zweiten Mal fuhr ein Projektkurs aus der Oberstufe des Landfermann in den Ort, in sehr eng mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte verbunden ist. Nur wenige Kilometer vom Ort Oswiecim eröffneten die Nationalsozialisten 1940 das Konzentrationslager Auschwitz I Stammlager, wozu eine ehemalige polnische Kaserne umfunktioniert wurde und hauptsächlich polnische und sowjetische Gefangene untergebracht waren. Nur ein Jahr später wurde in der Nähe von Oswiecim das Dorf Brzezinka abgerissen, um auf den Grundmauern das Konzentrationslager „Auschwitz II-Birkenau“ zu errichten, welches zum größten Vernichtungslager im Holocaust wurde. Zusammen mit dem bereits völlig abgetragenen Lager Auschwitz III-Monowitz, welches für Zwangsarbeiter der Fabrikationsstätten der Firma IG-Farben diente, starben nach Schätzungen etwa 1 bis 1,5 Millionen Menschen in diesen Tötungsanstalten.
Am Dienstag, den 10.02., traf sich der Kurs am Abend, um die lange Busreise nach Oswiecim auf sich zu nehmen. Nach dem Ankommen in der Jugendbegegnungsstätte in Oswiecim besuchten wir das Stadtzentrum, um uns über die Geschichte der Stadt vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht und das Schicksal der dort lebenden jüdischen Bevölkerung zu informieren. Dazu besuchten wir auch die Synagoge, die nach dem zweiten Weltkrieg neu errichtet wurde und vor allem den jüdisch gläubigen Besucher*innen aus aller Welt zur Verfügung steht, um dort vor oder nach ihrem Besuch der Gedenkstätten innehalten können. An der Synagoge angeschlossen ist ein Museum über das jüdische Leben in Oswiecim, welches auf der Stelle des Hauses von Szymon Kluger, dem „letzten Juden von Oswiecim“, errichtet wurde. Am Donnerstag, den 12.02., stand der Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers „Auschwitz I-Stammlager“ auf dem Programm, wo wir in der Dauerausstellung viel über das Leiden der Gefangenen und die menschenverachtenden Methoden zur Folterung und Töten durch die Nationalsozialisten erfahren haben. Nach einer kurzen Mittagspause durften die Schüler*innen eine Länderausstellung ihrer Wahl besuchen. In einigen Blöcken des ehemaligen Konzentrationslagers haben Länder wie Polen, Frankreich oder die Niederlande eigenen Ausstellungen ins Leben gerufen, um an die Opfer aus ihren Ländern wie Juden, Sinti und Roma und auch Widerstandskämpfer zu gedenken. Am Abend sahen wir uns gemeinsam den Film „Am Ende kommen Touristen“ an, um im Anschluss über das Gedenken an den Holocaust nach dem Sterben der letzten Zeitzeug*innen zu diskutieren. Weiter ging es am Freitag mit der Fahrt zum ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz II-Birkenau, dessen Größe von 1,7 Quadratkilometer einen bleibenden Eindruck hinterließ. Nachmittags wurde noch die Ausstellung des Künstler Marian Kolodziej, einem Überlebenden des ersten Transports nach Auschwitz, besucht, welche sich im Kloster Harmeze befindet. In einer sehr beklemmenden Atmosphäre wollte Kolodziej den Besucher einen Eindruck vermitteln, was es bedeutete, in Auschwitz leben und leider zu müssen. Auch an diesem Abend trafen wir uns noch einmal im Seminarraum, um uns Aufzeichnungen von Interviews der Zeitzeug*innen anzuschauen, die größtenteils in der Jugendbegegnungsstätte gedreht wurden. Die Schüler*innen entschieden sich für die Geschichte von Henryk Mandelbaum, der als jüdischer Gefangener im Sonderkommando für das Verbrennen und Vergraben der in den Gaskammern getöteten Menschen zuständig war. Am Samstag verließen wir Oswiecim in Richtung Krakau, der ehemaligen Hauptstadt Polens. Die sehr geschichtsträchtige Stadt steht im starken Kontrast zu den ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nationalsozialisten, allerdings ist sie auch eng verbunden mit dem Schicksal der Juden in Polen. So lag der Schwerpunkt unserer Stadtführung auf dem Viertel Kazimierz, in dem sich seit dem Mittelalter Juden angesiedelt haben und nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht die jüdische Bevölkerung vertrieben wurde. Dort wurden auch große Teile des Films „Schindlers Liste“ gedreht. Bevor es auf die Rückreise über Nacht nach Duisburg ging, durften die Schüler*innen am Nachmittag die Innenstadt von Krakau selbst erkunden.
Nach dieser Reise war allen im Kurs noch bewusster, wie wichtig das Gedenken an den Holocaust ist. Wir tragen keine Verantwortung für die Verbrechen der Nationalsozialisten, allerdings können wir dazu beitragen, an das Geschehene zu erinnern, damit sich dieses Kapitel der Geschichte nie wiederhole!
Unserem Dank gilt der Stiftung „Aktuelles Forum“, welche diese Fahrt organisatorisch und finanziell unterstützt hat!
Pascal Druschke (Kursleiter Projektkurs Q1 „… gegen das Vergessen“)
