06.05.2020 – Schülerin, Q2: „Wie es immer endet…“ (I)

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Wie es immer endet…

Ich sitze in meinem Zimmer, am Schreibtisch, schaue herab auf das n-te Lernblatt, das ich nun vorbereite. Ich bin leider noch nicht so weit wie ich mir wünschen würde, aber es geht.

Naja, vielleicht sollte ich eher sagen „es steht“, denn von gehen kann momentan nicht wirklich die Rede sein.

Kontaktverbot, also minimaler und nur notwendiger Kontakt mit anderen.

Das heißt also:

zu Freunden gehen

zum Sportverein gehen

ins Schwimmbad gehen

reisen gehen

feiern gehen

selbst einkaufen gehen ist eingeschränkt, ähnlich wie die öffentlichen Verkehrsmittel.

Man, kann ich froh sein, dass ich einen Hund habe, wegen dem ich mindestens einmal täglich rausgehen muss.

Doch wer hätte es gedacht – es existieren auch noch andere Menschen mit Hunden. Da man ja kaum noch etwas machen kann, scheint es so, als wäre es die perfekte Gelegenheit, jede freie Minute mit dem Hund draußen zu verbringen.

Fazit: Der Wald ist komplett überfüllt. Einen Rückzugsort kann man ihn nun nicht mehr nennen.

 

Also wieder ab nach Hause. Ich meine, ich muss so oder so noch lernen.

Doch dadurch, dass die ganze Familie zuhause ist, lernt oder arbeitet, bleibt mir nur mein Zimmer.

Eigentlich nicht so schlimm, aber fast 24/7 nur da zu sein, sperrt einen ein.

Was ein Glück, dass ich mein Zimmer sogar abschließen und das ganze real machen kann.

Auch jetzt bin ich wieder hier in meinem eigenen Zimmer und habe mich eingeschlossen, um meine Ruhe zu haben. Endlich kann es ans Lernen gehen.

 

So setze ich mich wieder an meinen Schreibtisch und die Zeit vergeht, während ich mich in Physik nun mit der Längenkontraktion und Ähnlichem auseinandersetze. 

Ja, je nach der eigenen Geschwindigkeit wird der eigene Weg kürzer, schade nur, dass man dafür mindestens 10% der Lichtgeschwindigkeit erreichen muss.

Ach man, schnell muss ich feststellen, dass auch eine abgeschlossene Tür keine Ruhe gewährt. Selbst wenn es mal nicht die eigene Familie ist, die irgendwas von einem will, dann hört man Nachbarn.

 

Ich schaue zur Uhr und seufze.

Ich habe nicht einmal anderthalb Stunden gut arbeiten können.

Doch jedes bisschen Konzentration ist verflogen. Die Poster an der Wand, ja sogar der Baum vor meinem Fenster, sind plötzlich absolut faszinierend.

Ich öffne die Fenster für ein bisschen frische Luft und vernehme im Hintergrund die schon gewohnte Geräuschkulisse der Lüftungsanlage einer Firma im gleichen Block.

Da ich ja aber so oder so Pause machen will, ist ja alles gut – dachte ich zumindest.

Nur wenige Minuten später ist der Lärm einer der Baustellen in der Nähe nicht zu überhören samt des Luftdruckhammers.

 

Ich seufze und schließe die Fenster wieder. Wenigstens ist der Lärm jetzt sanfter zu vernehmen.

Kopfschüttelnd schmeiße ich mich auf mein Bett, hole meine Kopfhörer raus, schalte lauter bis ich, von der Musik mal abgesehen, nichts mehr hören kann. Ich greife nach einem der Bücher, die ich vor kurzem angefangen habe und verkrieche mich in einer anderen Wirklichkeit.

Für heute habe ich wieder aufgegeben. 

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