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Dietrich Wilhelm Landfermann
* 28. August 1800   + 17. August 1882

Nach Festungshaft wurde er Schulleiter und Schulrat - oft im Konflikt mit den Behörden

Dies ist die beklemmende und zugleich ermutigende Geschichte zum Lebenslauf eines ungewöhnlichen Mannes: Dietrich Wilhelm Landfermann, vor 200 Jahren, am 28. August 1800 geboren, war als Student zu 13 Jahren Festungshaft verurteilt worden. Später leitete er sechs Jahre unsere Schule bevor er in Koblenz die Aufsicht über Schulen in der ehemaligen Rheinprovinz unter preußischer Verwaltung führte.

Was ihm, dem Studenten in Göttingen und Heidelberg, eine Verurteilung zur Festungshaft eingebracht hat? Er hatte sich der Deutschen Burschenschaft angeschlossen, die unter der schwarz-rot-goldenen Fahne für Freiheit und Abschaffung fürstlicher Vorrechte eintrat, für Demokratie und ein Ende der Pressezensur. Preußens Obrigkeit stufte Mitglieder der Burschenschaft als "Staatsfeinde" ein und verbot diese studentische Verbindung. Auch Landfermann, 1822 zum Sprecher gewählt, wurde festgenommen und von einem Sondergericht zu 13 Jahren Festungshaft verurteilt. Der Grund: "Staatsfeindliche Umtriebe".

Nach fünf Jahren Haftzeit auf der Festung Magdeburg gewährte ihm der preußische König Begnadigung. Landfermann blieb unter Polizeiaufsicht, legte seine Prüfung für das Lehramt an Gymnasien ab und erhielt eine Stelle in Elberfeld. Das zuständige Ministerium verfügte, diese "Anstellung könne nur mit größter Vorsicht erfolgen". Nach Tätigkeit am Gymnasium in Soest und Duisburg erhielt Landfermann 1835 die Stelle des Direktors an der Schule, die seit 1925 seinen Namen trägt. 1841 berief die Regierung den 41-jährigen Pädagogen als Schulrat in das Provinzialschulkollegium in Koblenz. Der Historiker Ottweiler (Bad Kreuznach), der Landfermanns "preußische Karriere" recherchiert und dokumentiert hat, stellt die Frage: War die Berufung ein liberales Signal der Regierung? Oder stand dahinter Berechnung wegen dessen "Vergangenheit"? Er konstatiert: Landfermann wurde nicht zum Duckmäuser, sondern vertrat seine demokratischen Ansichten oft im Konflikt mit Behörden. 

Am 31. März 1848 versammelten sich in der Frankfurter Paulskirche 574 "Repräsentanten des Deutschen Volkes", um an mehreren Tagen Grundlagen zu schaffen für eine Nationalversammlung. Unter den demokratischen und liberalen Männern dieses "Vorparlaments" war auch Dietrich Wilhelm Landfermann.

Im Alter von 73 Jahren ging Schulrat Landfermann in den Ruhestand, ein Jahr nach Ende des deutsch-französischen Krieges von 1870/71. Seinen Lebensabend verbrachte er in Weinheim an der Bergstraße. Hier starb er am 17. August 1882.