Informationen zum Fach Politik und Sozialwissenschaften

Europa und die Europäische Integration in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern an der Europaschule Landfermann-Gymnasium

"Schulen mit bilingualen Bildungsgängen sind Schulen für Europa."
Nando Mäsch
 

Bilinguale Bildungsgänge sind im Zuge des Europäischen Einigungsprozesses entstanden. Sie sollen eine Verständigung zwischen den verschiedenen Sprachen und Kulturen in Europa ermöglich. Der Erwerb einer über die Alltagskommunikation hinausgehenden Fremdsprachenkompetenz wird angestrebt, damit die Schülerinnen und Schüler über Landesgrenzen hinweg agieren können. Des Weiteren ist Mehrsprachigkeit eine Qualifikation, die im europäischen Kontext aus beruflichen Gründen von Bedeutung ist.

Die Europäische Union hat sich von einer Wirtschaftsgemeinschaft zu einer politischen Union entwickelt, die ein friedliches Miteinander in Europa in allen Bereichen in den Vordergrund stellt. Immer mehr politische Entscheidungen werden auf europäischer Ebene getroffen, die alle Bürgerinnen und Bürger dieser Staatengemeinschaft betreffen. Die Nationalstaaten geben ein Stück ihrer Souveränität an die Europäische Union ab und fördern so das Zusammenwachsen Europas in wirtschaftlichen und politischen Bereichen. Eine europäische Identität entwickelt sich jedoch nur langsam. Da es nicht nur eine europäische Kultur und Sprache gibt, ist es für ein friedliches Zusammenleben notwendig, sich dieser Pluralität bewusst zu werden und die verschiedenen Kulturen kennen und verstehen zu lernen.

Im schulischen Alltag ist festzustellen, dass sich die Schülerinnen und Schüler nur wenig mit Europa beschäftigen. Sie fühlen sich nicht als Europäer und kennen nur wenige Aspekte der Europäischen Union. Darüber hinaus besteht ihr gegenüber eine gewisse Skepsis, verbunden mit dem Gedanken, dass deutsche Interessen nicht im erforderlichen Maße berücksichtigt werden könnten. Aus diesem Grund ist es Anliegen der unterrichtenden Lehrer am Landfermann-Gymnasium gerade in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern den europäischen Gedanken zu fördern.

Im Folgenden werden einige Beispiele aus der unterrichtlichen Praxis genannt. Im Fach Geographie werden traditionell europäische Inhalte vermittelt, das gilt nicht nur für das bilinguale Sachfach. Es werden nicht nur geographische Inhalte vermittelt, sondern auch soziokulturelle Inhalte eingebracht. Insbesondere im bilingualen Sachfach wird hier ein europäischer Schwerpunkt seit Einführung des bilingualen Zuges vermittelt, unter anderem, weil das bilinguale Unterrichten entstanden ist vor dem Hintergrund der deutsch-französischen Annäherung.

Die curriculare Umsetzung des Europagedankens am Landfermann-Gymnasium Duisburg

Die Schülerinnen und Schüler des Landfermann-Gymnasiums sollen im Sinne Europas lernen. Ihnen soll auch bewusst sein, dass ihre Schule eine Europaschule ist, die sich von anderen Schulen unterscheidet. Der Unterschied besteht darin, dass der Europagedanke sich durch das gesamte Schulleben zieht und dass sie die Bürger Europas und zukünftigen Arbeitskräfte in einem vereinten Europa sind.

            Der Europagedanke und die Europäische Integration sind wichtige Bestandteile der schulinternen Curricula am Landfermann-Gymnasium. Alle Fachgruppen nehmen den Europagedanken ernst und nicht nur in den geisteswissenschaftlichen Fächern und den Sprachen erfolgt eine Festschreibung europäischer Inhalte in den schulinternen Curricula.

            Insbesondere in den geisteswissenschaftlichen Fächern und in den Sprachen erfolgt eine vom schulinternen Curriculum vorgegebene Auseinandersetzung mit dem Europagedanken und europäischen Inhalten. Nicht nur im eigentlichen Unterricht werden europäische Inhalte vermittelt, sondern auch außerunterrichtlich ist der Europagedanke präsent. Dazu gehören beispielsweise das Auslandspraktikum Projet Praxis und die entsprechenden Fremdsprachenzertifikate, die unseren Schülerinnen und Schülern die Studierfähigkeit im europäischen Ausland ermöglichen.

            Im eigentlichen Fachunterricht ist nicht nur die europäische Intergrationsgeschichte, sondern auch die Europäische Union mit all ihren Facetten ein bedeutendes Thema. Die curriculare Festlegung europäischer Inhalte dient auch dazu, dass fachfremd unterrichtende Lehrer Europa thematisieren.

            Darüber hinaus werden häufig externe Experten an die Schule eingeladen. Zuvor werden diese Veranstaltungen im Unterricht vorbereitet, damit beispielsweise eine fruchtbare Debatte mit einem Europaabgeordneten geführt werden kann. Auch werden die unterrichtlichen Angebote durch Experten ergänzt, insbesondere wenn es um spezielle Europäische Fragen geht, wie beispielsweise die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Dann dient das Expertenwissen als Bereicherung der ohnehin schon im Unterricht behandelten Themen. 

            In diesem Zusammenhang sei die Kooperation des Landfermann-Gymnasiums mit der HSBC Trinkaus Bank in Düsseldorf erwähnt. Im Rahmen ihrer Corporate Responsibility Arbeit hat die HSBC Trinkaus ein Schulprojekt ins Leben gerufen, das Wirtschaftswissen in Schule vermitteln will. Die Kooperation besteht darin, dass Experten der Bank zu Themen, die im Unterricht behandelt werden, zur Verfügung stehen. Die Themen werden im Unterricht gesammelt und dann an einen Pool von Bankmitarbeitern weitergeleitet, die ihr Interesse an einem Vortrag in der Schule erst bekunden und dann vorbereiten. So konnten drei Experten zu wirtschaftlichen Themen eingeladen werden und haben einer interessierten Schülerschaft unter anderem die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank näher gebracht. Darüber hinaus bietet die HSBC Trinkaus Bank eine Fortbildungsreihe „Wirtschaftswissen für Lehrerinnen und Lehrer“ zu von ihnen selbst gewählten Themen an, die von Lehrerinnen und Lehrern des Landfermann-Gymnasiums gerne besucht wird. So findet durch diese Kooperation ebenfalls eine Öffnung von Schule statt, die im Folgenden näher beleuchtet werden soll.

Diese Tradition hat sich manifestiert und wird am Landfermann-Gymnasium selbstverständlich weitergeführt. Daraus ergeben sich Absprachen mit den anderen gesellschaftswissenschaftlichen Fächern, nicht nur um Dopplungen zu vermeiden, sondern auch um möglichst breit gefächerte Inhalte vermitteln zu können. Im Fach Geschichte hat der europäische Gedanke insofern seinen festen Stellenwert, als dass dieser diachron unterrichtet wird. Es wird also nicht chronologisch vorgegangen, sondern Geschichte wird thematisch mit Europa verbunden. Hier wir unter Anderem vermittelt, dass die europäische Integration eine Frage von Krieg und Frieden ist, und von vielen Politikern in diesem Sinne vorangetrieben wurde.

Im Fach Politik wird bereits in den Klassen 5 den Schülerinnen und Schülern bewusst gemacht, dass unser Zahlungsmittel ein Ausdruck gemeinsamer europäischer Politik ist.  Ab Klasse 8 ist Europa oder die Europäische Union kein Fokus des vorgeschriebenen Kernlehrplans, deshalb wird im Unterricht auch eine europäische Dimension bestimmter Problemstellungen, die von den Kernlehrplänen festgelegt werden,  behandelt. Hier bedarf es einer Anpassung der Inhalte der Kernlehrpläne, denn nicht alle dort aufgeführten Problemstellungen haben auf den ersten Blick eine europäische Dimension. Dies zeigt sich insbesondere in Politikfeldern, die den Außenhandel oder die Grenzen der EU berühren.

In der Jahrgangsstufe 9 wird das Themenfeld Europäische Union konkretisiert. Hier stehen insbesondere die Institutionen der Europäischen Union im Vordergrund und die entsprechenden Politikfelder werden problemorientiert bearbeitet.

Im bilingualen Zweig wird in der Jahrgangsstufe 9 das Thema Europäische Union vertieft. Hier hat sich die Projektarbeit zur Europäischen Institutionenkunde bewährt. Die Schülerinnen und Schüler wurden ermutigt, die Institutionen möglichst kreativ vorzustellen. Bereits in drei Jahrgängen konnte eine solche Projektarbeit mit sehr guten und kreativen

Ergebnissen durchgeführt werden. Kreative Präsentationen haben die europäischen Institutionen unter anderem mit Hilfe von Schülerinnen und Schülern selbstgedrehten Filmen vorgestellt.

In einem Jahrgang wurden für den Tag der offenen Tür Präsentationen für ein bilinguales Museum zusammengetragen, in dem von den Schülerinnen und Schülern verschiedene Präsentationsformen für die Europäischen Institutionen gewählt wurden. Es wurden beispielsweise eine Website zum Europäischen  Gerichtshof erstellt, ein Plakat zum European Concil, Powerpoint Präsentationen, ein Styroporrelief der EU-Staaten, und es wurde die Europäische Kommission aus Lebkuchen nachgebaut, versehen mit den Fotos der entsprechenden Kommissare und des Kommissionspräsidenten. Die Schülerinnen und Schüler haben, durch die Projektarbeit motiviert, viel Freizeit in die Gestaltung ihrer Präsentationen gesteckt. Durch eine solche Projektarbeit werden die Schülerinnen und Schüler einerseits motiviert Präsentationsformen zu finden, die ansprechenden sind, andererseits aber auch in die Lage versetzt, anderen Schülerinnen und Schülern etwas zu vermitteln. Darüber hinaus lernen die Schülerinnen und Schüler im bilingualen Zweig, welche Politikbereiche maßgeblich von der Europäischen Union bestimmt werden.

Dadurch, dass es aufgrund personellen Engpasses nicht möglich ist, in der Oberstufe einen so genannten 'Langkurs Sozialwissenschaften' anzubieten, wird in dem für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtenden Sozialwissenschafts-Zusatz-Kurs unter Berücksichtigung aller Bezugsdisziplinen der Europäischen Union ein hoher Stellenwert eingeräumt. In diesem Zusammenhang sollen auch Vorurteile abgebaut werden, die in weiten Teilen der Bevölkerung noch präsent sind. 

Im politikwissenschaftlichen Teil werden die Säulen der Europäischen Union behandelt und methodisch aufgearbeitet. Außerdem werden aktuelle Streitfragen und Strömungen in der europäischen Politik beleuchtet. Hier hat sich die Handreichung „Lebensraum Europa“ der Landeszentrale für politische Bildung NRW im Unterricht bewährt, da hier unterschiedlichste Methoden zum Einsatz kommen können, die den Schülerinnen und Schülern die Europäische Integrationsgeschichte, die Institutionen und aktuelle Fragen auf nicht-herkömmliche Weise näher bringen. Das führt dazu, dass das Interesse an Europa geweckt wird und die Schülerinnen und Schüler nicht in ihren Vorurteilen verharren. Als ein Beispiel sei die Methode „Kopiere!“ genannt, die die europäische Gesetzgebung grafisch darstellt und mit deren Hilfe das Subsidiaritätsprinzip der Europäischen Union verständlich gemacht werden kann. Es soll den Schülerinnen und Schülern dadurch bewusst gemacht werden, das Europäische Richtlinien zwar in nationale Gesetze überführt werden müssen, dass aber auch immer in den einzelnen Nationalstaaten eine Debatte über die genaue Ausgestaltung geführt wird.

Durch einen regelmäßigen Kontakt zum Mitglied des Europäischen Parlaments, Dr. Konrad, konnten zwei Podiumsdiskussionen zu zum Teil unterrichtlich vorbereiteten Themen zu Europa durchgeführt werden. Es hat sich hier gezeigt, dass über die vorbereiteten Themen hinaus, redebedarf bei den Schülerinnen und Schülern bestand, und dass sie sich Antworten auch auf kritische Nachfragen erhofften. Dies bezog sich in erster Linie auf Positionen der EU auf globale Fragen.

Dieser Kontakt besteht nun nicht mehr, da Herr Dr. Konrad seinen Einzug in das europäische Parlament durch einen nicht abgesicherten Listenplatz verfehlt hat. Kontaktmöglichkeiten zu EU-Institutionen bestehen dennoch, denn unsere Schule hat mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgangstufen 11, 12, 13 an einem Thementag der ThyssenKrupp AG zum Thema „Arbeiten im vereinten Europa“ teilgenommen. Dort waren Vertreter der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments vertreten, die auch für Nachfragen für die Schülerinnen und Schüler zur Verfügung standen.

Hier konnten Kontakte zu Vertretern der Europäischen Kommission, genauer der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in Bonn, und zu Vertretern des Europäischen Parlamentes geknüft werden. Der Europaparlamentarier Jens Geier erklärte sich bereit, für vorbereitete Podiumsdiskussionen zu europäischen Fragen zur Verfügung zu stehen.

Im soziologischen Teil des sozialwissenschaftlichen Unterrichts am Landfermann-Gymnasiums wird ebenfalls eine europäische Dimension umgesetzt. Aufgrund aktueller gesellschaftlicher Diskussionen über die Integration von Mitbürgern mit Migrationshintergrund wurde die auf europäischer Ebene geführte Multikulturalismus-Debatte behandelt. Hier sollte den Schülerinnen und Schülern deutlich gemacht werden, dass die in Deutschland stattfindende Debatte unsere europäischen Nachbarn längst erreicht hat und dass dort bereits seit mehreren Jahren eine breite öffentliche Debatte stattfindet. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Akteure der Multikulturalismus-Debatte behandelt, unter anderem niederländische, britische, türkische und französische Intellek-tuelle, Professoren, Politiker oder Publizisten.

Zusammenfassend gilt für die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer, dass alle Lehrkräfte in ihren Fächern unseren Schülerinnen und Schülern zu vermitteln versuchen, dass die europäische Integration geografische, kulturelle und soziologische Dimensionen hat, historisch gewachsen ist und politische Realität ist.

Europäische und weltweite Dimension der Öffnung von Schule am Landfermann-Gymnasium

            Ein weiteres wichtiges Element der Umsetzung des Europagedankens am Landfermannn-Gymnasium in Duisburg ist die Öffnung von Schule in verschiedenen Dimensionen. Der Begriff Öffnung von Schule findet sich in der Fachliteratur recht dehnbar angelegt, denn öffentliche Präsentationen umfassen alles, wodurch eine Schule und ihre Schülerinnen und Schüler mit der Außenwelt in Kontakt treten. Eine Hinwendung der Schule zu der sie umgebenden Umwelt wird als notwendiger Schritt gesehen, der sowohl den Veränderungen der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler, als auch der unterrichtlichen Praxis entspricht. Schule wird als ein Handlungsfeld gesehen, das in stetigem Kontakt mit der Umwelt steht. Diese Ebenen des Kontakts erstrecken sich von lokalen, regionalen, landesweiten, bundesweiten bis hin zu internationalen Institutionen, Organisationen oder Einrichtungen.

            Öffnung von Schule findet in diesem Zusammenhang am Landfermann-Gymnasium auf den unterschiedlichsten Ebenen statt. Es besteht ein starkes Bestreben die Öffentlichkeitsarbeit des Landfermann-Gymnasiums zu bündeln und zu optimieren, weshalb eine Funktionsstelle dafür eingerichtet wurde. Hier findet nicht nur Pressearbeit statt, damit die Schule in lokalem und regionalem Kontakt steht, sondern es wird auch auf internationaler Ebene darauf geachtet, dass das Landfermann-Gymnasium Präsentationsmöglichkeiten erhält.

            In diesem Zusammenhang seien die zahlreichen Austausche mit dem europäischen Ausland sowie die mit China und den USA genannt. Das Landfermann-Gymnasium genießt bei den Partnerschulen ein hohes Ansehen, was auch damit zusammenhängt, dass sich das Landfermann-Gymnasium auf adäquate Weise präsentiert. So wurde die chinesische Partnerschule von einer Delegation des ehemaligen Ministerpräsidenten Nordrhein-Westfalens Jürgen Rüttgers zusammen mit Landfermann-Schülern und Lehrern besucht.

            Ein weiterer Aspekt von Öffnung von Schule ist die Teilnahme an zahlreichen bundesweiten oder internationalen Wettbewerben. So hat beispielsweise ein Schüler des Landfermann-Gymnasiums am internationalen Philosophie-Wettbewerb teilgenommen und mit seinem Beitrag die Philosophie Weltmeisterschaft gewonnen.

            Jugend debattiert ist ebenfalls eine Möglichkeit der Öffnung von Schule, da hier zunächst auf regionaler Ebene ein Debattier-Wettbewerb unter Schülerinnen und Schülern sowohl der Sekundarstufe I als auch der Sekundarstufe II stattfindet. Auch hier haben Schülerinnen und Schüler erfolgreich teilgenommen und daraufhin am landesweiten Wettbewerb teilgenommen. Des Weiteren haben mit Jugend debattiert betraute Lehrerinnen und Lehrer an bundesweiten Konferenzen zu Jugend debattiert teilgenommen und an Regionalkonferenzen NRW eine Umgestaltung des Wettbewerbs mit gestaltet.

            Zusammenfassend gilt für die europäische und weltweite von Öffnung von Schule des Landfermann-Gymnasiums, dass die gesamte Schulgemeinschaft sich auf den verschiedenen genannten Ebenen präsentiert und bestrebt ist, das Landfermann-Gymnasium durch gute Leistungen zu präsentieren.